pop-ups: hype, ausrede oder echte zukunft der hospitality?
- Naomi Z. Steffen

- 26. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Der «Pop-up»-Trend hat sich in den letzten zehn Jahren weltweit stark verbreitet. Temporäre Restaurants, Hotelkonzepte auf Zeit, Zwischennutzungen, Limited Experiences. Unsere Branche liebt sie und nutzt sie gleichzeitig gern als Buzzword.
Als ehemalige Modulverantwortliche für das Transfermodul Pop-up & Events an der Hotelfachschule Thun interessiert mich weniger, ob Pop-ups noch relevant sind, sondern was sie über die Zukunft der Hospitality verraten.
Der Pop-up-Boom: Reaktion auf eine Branche im Wandel
Pop-ups sind kein Zufall. Sie sind eine Antwort auf Unsicherheit, steigende Kosten, Fachkräftemangel und veränderte Gästeerwartungen. Wer nicht mehr langfristig planen kann oder will, plant kurzfristig, flexibel, experimentell und risikoreduziert.
Trial-and-Error beschreibt einen iterativen Innovationsprozess, bei dem durch gezieltes Testen, Anpassen und Lernen tragfähige Lösungen entstehen. Genau dieser Ansatz kann auch mit der Eröffnung eines Pop-ups genutzt werden. Es ermöglicht Hospitality-Unternehmen, innovative Ideen flexibel und mit überschaubarem Risiko zu erproben. Temporäre Pop-up-Hotels, Restaurants oder Erlebnisformate bieten die Chance, neue Angebotsformen zu testen, ohne langfristige Investitionen tätigen zu müssen. Sie eignen sich insbesondere als Experimentierfeld für zielgruppenspezifische Konzepte.
Darüber hinaus eröffnen Kooperationen mit Kultur-, Musik- oder Sportveranstaltungen zusätzliche Potenziale. Durch die Kombination von Gastronomie- oder Übernachtungsangeboten mit exklusiven Erlebnissen lassen sich einzigartige Mehrwerte für Gäste schaffen.
Pop-up-Konzepte können kurzfristig hohe mediale und digitale Aufmerksamkeit generieren und liefern gleichzeitig wertvolle Erkenntnisse über Marktbedürfnisse, Gästewünsche und wirtschaftliche Machbarkeit. Diese Erfahrungen bilden eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung und Skalierung zukünftiger Hospitality-Angebote.
Die Stärke von Pop-ups liegt nicht im Format, sondern in der Denkweise, die sie sichtbar machen. Sie zeigen, wie flexibel, mutig und menschzentriert Hospitality sein kann, wenn man ihr bewusst Raum gibt. Dieses Mindset ist nicht an eine bestimmte Dauer gebunden.Gerade deshalb lohnt sich der Blick nach vorne: auf Konzepte, die aus echtem Innovationsgeist entstehen und Hospitality nicht nur neu interpretieren, sondern visionär weiterdenken.
Die Zukunft der Hospitality entscheidet sich weniger an der Dauer eines Konzepts als an der Idee, aus der es entstanden ist.
Pop-up-DNA statt Pop-up-Format
Was viele zukunftsweisende Hospitality-Konzepte verbindet, ist eine Haltung, die Experimente zulässt und neue Perspektiven eröffnet. Im Folgenden stelle ich einige Hotel-Konzepte vor, die ich mit grossem Interesse verfolge und die meine Sicht auf die Zukunft der Hospitality prägen.
Good Hotel ist ein preisgekröntes Sozialunternehmen, das 2013 vom Niederländer Marten Dresen gegründet wurde. Das Konzept verbindet Hospitality mit sozialem Impact, indem gezielt Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt beschäftigt und qualifiziert werden – und zeigt, wie Hotels wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung vereinen können.
Zoku wurde 2016 von den niederländischen Unternehmern Hans Meyer und Marc Jongerius in Amsterdam gegründet, um eine neue Kategorie im Hotelgewerbe zu schaffen: das Home-Office-Hybridkonzept für moderne Reisende. Der Mittelpunkt ist das "Zoku Loft", ein flexibles, smartes Apartment mit einem großen Arbeitstisch, das Funktionalität mit Wohnlichkeit verbindet.
CityHub Amsterdam wurde 2015 von Sem und Pieter gegründet, mit der Vision, urbanes Reisen neu zu denken – smart, nachhaltig und sozial. Herzstück des Konzepts sind private Schlafkapseln („Hubs“), die Komfort und Privatsphäre mit dem Gemeinschaftsgefühl eines Hostels verbinden. Der Aufenthalt ist weitgehend digital organisiert.
The Social Hub wurde vom niederländischen Unternehmer Charlie MacGregor gegründet und verbindet Hotel, Co-Living, Working Spaces und Community unter einem Dach. Das Konzept richtet sich an Studierende, Reisende und Locals und versteht Hospitality als sozialen Begegnungsraum. Mit seinem hybriden Ansatz zeigt The Social Hub, wie Hotels zu Plattformen für Austausch, Lernen und urbane Gemeinschaft werden können.
Fazit
Die vorgestellten Konzepte zeigen, dass Pop-up-DNA weniger mit Dauer oder Format zu tun hat als mit Haltung. Sie entstehen dort, wo Hospitality als Plattform für Begegnung, Lernen und Experimentieren verstanden wird. Vielleicht ist es kein Zufall, dass viele dieser Ideen aus den Niederlanden stammen – sondern Ausdruck eines Ökosystems, das Innovation bewusst zulässt.


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